Besucherbetreuung macht ja bekanntlich ca. 50% unseres Volontariats hier im kärntner Teil Nationalpark Hohe Tauern aus. Normalerweise beschränkt sich unsere Arbeit dabei auf den Dienst in der Swarovski-Beobachtungswarte, die Gamsgrubenführung sowie diverse andere Touren, die wir hier und da an der Seite der versierten Nationalpark-Ranger zumeist fotodokumentarisch begleiten. Auch wenn sich dabei immer wieder interessante Gespräche mit einzelnen Besuchern entwickeln und es i.d.R. auch uns Spaß macht, diesen die Besonderheiten ´unserer´ Alpen näher zu bringen, bleibt es letztlich doch bei dem Prinzip ´Dienst ist Dienst´. Von daher ist es sicherlich etwas ganz besonderes, wenn man die Personen, die man durch den Nationalpark führt, auch persönlich kennt.
Dies war bei mir in der letzten Woche der Fall, als Gerd, ein guter Freund von mir, aus dem hohen, flachen Norden Deutschlands (konkret aus Wilhelmshaven) für 6 Tage zu Besuch war. Angereist mit der alpinistischen Erfahrung von gerade einmal einer lausigen Woche in der Schweiz und ´heiß gemacht´ durch meine Reiseberichte aus den letzten Wochen, war er gespannt auf das, was ihn hier in den Hohen Tauern erwarten würden. Der Wettergott war definitiv auf unserer Seite, als es am Tage nach seiner späten Ankunft zunächst einmal in das Große Zirknitztal ging, welches uns Volontären ja seit dem Arbeitseinsatz am ehem. Goldstollen bereits bestens bekannt ist. Dieses Mal endete die Wanderung aber nicht bereits am Zahltisch bzw. Zirknitzstollen, sondern die gesamte Zirknitzrunde sollte an diesem Tag gegangen werden. Und das sich diese mit genügend Muße für die Schönheit dieses Tales und ein wenig Bier im Rucksack von angegebenen 5 auch locker auf 9 Stunden ausdehnen lässt, konnten wir dabei auch gleich noch unter Beweis stellen.
Am nächsten Tag ging es, bei nicht mehr ganz so gutem aber immerhin trockenem Wetter, weiter zur Pasterze. An Österreichs größtem Talgletscher zu Füßen des Großglockners kommt man hier ja nun mal nicht vorbei. Nach einem kurzen Abstecher zum Arbeitsplatz Swarovski-Warte (aber wirklich nur gaaanz kurz, ich war ja schließlich nicht im Dienst) ging es über den Gletscherweg hinab zum Margaritzenspeicher und über Elisabethfelsen und Sandersee weiter zum Zungenrand der Pasterze, die im folgenden erstmal ausgiebig bestaunt und bewandert wurde. Beim lästigen Aufstieg zurück zur Kaiser-Fanz-Josefs-Höhe kamen wir, die beiden 80er-Jahrgänge, schließlich nicht umhin, uns noch zusammen mit dem Schild fotografieren zu lassen, das den Gletscherstand des Jahres 1980, also unseres Geburtsjahres, anzeigt. Die Pasterze hinterließ somit sowohl beim Besucher als auch beim eigentlich schon ortskundigen Volontär gleich in zweierlei Hinsicht Eindruck: zum einen beeindruckt der Gletscher aufgrund seiner Größe und Erhabenheit; ebenso beeindruckend, wenn auch in anderer Hinsicht, ist aber auch die Erkenntnis, um welch kläglichen Rest des einst noch viel mächtigeren Gletschers es sich dabei heute nur noch handelt.
An den letzten Tagen vor Gerds frühmorgendlicher Abreise wurden wir dem Nationalpark dann doch noch mal untreu, das Bundesland Kärnten hat schließlich noch so einiges mehr zu bieten. Und so wurden die letzten beiden Tage bei bestem Wetter in Klagenfurt sowie am (bzw. besser im) Wörthersee verbracht. Abgerundet wurde der Besuch schließlich am Abend bei der ´Nacht der Bilder´ in Obervellach (s. den dazugehörigen Blogeintrag).
Unter´m Strich bleibt sicherlich eine gelungene Woche, die sowohl dem Gast als auch dem Volo-Gastgeber viel Spaß gemacht hat und in der letztere zeigen konnte, was er hier in den letzten 1,5 Monaten bereits alles gelernt und erlebt hat. Und wer weiß, vielleicht hatte diese kleine ´Werbemaßnahme´ ja Erfolg und der Nationalpark Hohe Tauern kann bald (noch) mehr Besucher aus Norddeutschland willkommen heißen.
